Das Sūtra und seine Fassungen: Textgeschichte
Gilgit-Handschriften, chinesische Übersetzungen von 615 bis 707, tibetische Fassung: was man über die Geschichte des Medizinbuddha-Sūtras weiß.

Was die Quellen sagen
Gesichert
Sanskrit-Handschriften des Sūtras vom Meister der Heilkunst (Bhaiṣajyaguru-sūtra) auf Birkenrinde gehören zu den Gilgit-Handschriften, die ab 1931 gefunden und paläografisch ins 5.–6. Jahrhundert datiert wurden. Die Sammlung steht seit 2017 im UNESCO-Register des Weltdokumentenerbes.
Gesichert
Nalinaksha Dutt veröffentlichte 1939 eine erste Ausgabe. Gregory Schopen legte 1978 eine kritische Edition („Redaktion A“) mit der tibetischen Fassung und einer englischen Übersetzung vor. 2025 erschien ein vollständiges Faksimile der Handschrift aus Neu-Delhi.
Gesichert
Der chinesische Kanon bewahrt mehrere Übersetzungen: die des Dharmagupta (615, T449), die des Xuanzang (650, T450), die am meisten rezitierte, und die des Yijing (707, T451), die von sieben Medizinbuddhas spricht.
Umstritten
Eine ältere Fassung steht in der 12. Rolle des Weihe-Sūtras (Guanding jing, T1331), das traditionell dem Übersetzer Śrīmitra (4. Jahrhundert) zugeschrieben wird. Viele Forschende, darunter Michel Strickmann, sehen darin eher eine chinesische Komposition des 5. Jahrhunderts; der Status dieser Fassung ist umstritten.
Gesichert
Der tibetische Kanon enthält zwei Sūtras: eines nur über den Medizinbuddha, eines über die sieben Buddhas; Schopen hat beide tibetischen Fassungen ediert.
Quellen 2
Umstritten
Ort und Zeit der Entstehung des Sūtras sind unbekannt. JAANUS weist darauf hin, dass sein Name in rund fünfzehn vom 3. bis 5. Jahrhundert ins Chinesische übersetzten Texten vorkommt und sein Kult in Zentralasien besonders beliebt gewesen zu sein scheint.
Glaube
Nach dem Sūtra selbst lehrte es der Buddha Śākyamuni in Vaiśālī auf Bitten des Bodhisattva Mañjuśrī und beschrieb dabei die zwölf Gelübde des Medizinbuddha und sein Reines Land im Osten.
Quellen 6

So liest man die Etiketten
Gesichert Umstritten Hypothese Glaube
Gesichert: in den Quellen belegt und von Fachleuten anerkannt. Umstritten: Fachleute sind uneinig. Hypothese: vorgeschlagen, nicht bewiesen. Glaube: was die religiöse Überlieferung sagt, ohne historischen Anspruch.
Quellen
- UNESCO, Memory of the World Register: “Gilgit Manuscript” (inscribed 2017). www.unesco.org
- Gregory Schopen, The Bhaiṣajyaguru-sūtra and the Buddhism of Gilgit, PhD thesis, Australian National University, 1978. openresearch-repository.anu.edu.au
- Nalinaksha Dutt (ed.), Gilgit Manuscripts, vol. I, Srinagar / Calcutta, 1939. (Buch)
- J.-U. Hartmann, G. Melzer, T. Fukita (eds.), Gilgit Manuscripts in the National Archives of India, Facsimile Edition, vol. II.6: The Bhaiṣajyagurusūtra, National Archives of India / IRIAB Soka University, 2025 (announcement, H-Net). networks.h-net.org
- CBETA, Taishō T449, 佛說藥師如來本願經 (Dharmagupta, 615). cbetaonline.dila.edu.tw
- CBETA, Taishō T450, 藥師琉璃光如來本願功德經 (Xuanzang, 650). cbetaonline.dila.edu.tw
- CBETA, Taishō T451, 藥師琉璃光七佛本願功德經 (Yijing, 707). cbetaonline.dila.edu.tw
- JAANUS (Japanese Architecture and Art Net Users System), entry “Yakushi”. www.aisf.or.jp
- CBETA, Taishō T1331, 佛說灌頂經 (Consecration Scripture), fascicle 12. cbetaonline.dila.edu.tw
- Michel Strickmann, Chinese Magical Medicine, Stanford University Press, 2002. (Buch)
Links geprüft am 15. Oktober 2026.